wurde sie 1784 als Passagehinderniß, da sie sich mitten auf dem
Karlsplatze befand, gesperrt und dem Prager Bürger Wenzel Sieber um 902
fl. verkauft. Dieser begann sofort mit der Demolierung, da er aber bei
seinem kurz darauf erfolgten Tode kaum die Hälfte des Kaufschillings
erlegt hatte, wurde sie 1791 nochmals feilgeboten und vom Stadtrath
Adelbert Eisner Ritter v. Eisenstein erstanden, der sie vollends
niederreißen ließ. Die beiden Steintafeln wurden der böhmischen
Gesellschaft der Wissenschaften zur Aufbewahrung übergeben, die sie am
Eingange der Universitätsbibliothek aufstellen ließ. Da sie jedoch an
diesem Orte leicht Beschädigungen ausgesetzt waren, wurden sie erst im
Sitzungssaale dieser Gesellschaft im Carolinum (Universitätsgebäude)
eingemauert, und als das böhmische Museum 1845 eine Stätte im ehemals
gräfl. Jos. Nostiz’schen Palaste am Graben fand, wurden diese
altehrwürdigen Zeugen einer der wichtigsten Epochen in der böhmischen
Geschichte dorthin übertragen und im Treppenhause befestigt.
/Prag./ /Bruno Bischoff./
Eine lateinische Komödie aus dem 15. Jahrhundert.
Die in Nr. 6 des Anzeigers v. J. besprochene „Cauteraria
Comoedia“ findet sich auch in der Handschrift Nr. 3123 der Wiener
Hofbibliothek[55], über deren sonstigen reichen, durchaus dem Kreise
der humanistischen Studien angehörigen Inhalt die Tabulae codicum
Vindob. II, 206 Auskunft geben. Wir gewinnen aus dieser Wiener
Handschrift zunächst einigen Aufschluß über den Verfasser; ob einen
zuverläßigen, müßte freilich erst durch weitere Nachforschungen
dargethan werden. Das Stück führt nämlich (Bl. 108a) die Ueberschrift:
„Anthonii Barzicii Cauteraria Comedia incipit“ und endet Bl. 129a mit
den Worten: „Finit Cauteriaria (_sic!_) Comedia foeliciter Anthoni
buzarij. Georgius Schilher de Geiselhering.“ Darf man der Angabe in der
Aufschrift trauen, so wäre dieser, meines Wissens nirgends erwähnte,
Antonius Buzarius ein Angehöriger der berühmten Gelehrtenfamilie der
Barzizier gewesen, welche noch bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
Sprossen trieb; s. Tiraboschi VI, 663; 1493 ff. und Adelungs
Fortsetzung zum Jöcher I, 1483.
Der Schreiber der Wiener Handschrift, Georg Schilher von Geiselhöring,
-- kaum wol /eine/ Person mit dem bekannten Meistersänger Jörg
Schilher, -- nennt sich noch unter mehreren anderen Stücken, einmal
(Bl. 164 a) mit dem Beisatze: „In studio Ingolsta(diensi)“. Dies
ist entscheidend für die Bestimmung des Alters der Handschrift. Die
Universität Ingolstadt wurde im J. 1472 gegründet, doch erst im J. 1492
wurde durch die Berufung des Conrad Celtes den humanistischen Studien
auch dort Bahn gebrochen. In diese Zeit also, in das letzte Jahrzehent
des 15. Jahrhunderts, möchte ich die Entstehung der Wiener Handschrift
setzen. Paläographische Gründe sprechen nicht dagegen. Schilher scheint
mir mit seinen sauberen, breiten, aufrecht stehenden Buchstaben sich an
die italienischen Muster der Zeit zu lehnen. Andere Hände, die an dem
Codex thätig gewesen sind, weisen ebenfalls an den Schluß des 15. und
den Anfang des 16. Jahrhunderts. Auch der Einband ist aus dieser Zeit.
Der Magister Ambrosius Alantsee, von welchem die Maihinger Handschrift
herrührt, ist wol derselbe, dessen Th. Petreius in seiner Bibliotheca
Cartusiana (Colon. 1609) S. 7 mit folgenden Worten gedenkt: „Ambrosius
Alentsenius scripsit librum vel Tractatum, qui intitulatur Foedus
Christianum: quem Auguste Vindelicorum an. 1504. in 4. impressum,
adseruat bibliotheca Cartusiae Buxianae propè Memmingam celebre
Sueuorum oppidum. Fuit vero Prior domus horti Christi, et Visitator
Prouinciae Alemanie inferioris“. Dazu am Rande: „Obijt in Germania anno
1506“. Die Kartause Hortus Christi bei Nördlingen war eine Stiftung der
Grafen von Oettingen; s. Miraeus, Origines Cartusianorum monasteriorum,
S. 51.
Auf die Verwandtschaft dieses Ambrosius Alantsee mit der Wiener
Buchdruckerfamilie gleiches Namens hat bereits Dr. Hartmann von
Franzenshuld Bedacht genommen in einem Aufsatze: „Die Buchführerfamilie
Alantsee in Wien“ in den Mittheilungen der k. k. Centralcommission zur
Erforschung der Baudenkmale, 19. Jahrgang (Wien, 1874), S. 85-87. Wenn
Herr Dr. von Franzenshuld aber den Ambrosius A. zum /Drucker/ des
von ihm verfaßten Tractates macht, so hätte ein Blick in Zapf’s Augsb.
Buchdruckergeschichte II, 14 oder in Panzer’s Annales VI, 133 ihn vor
diesem Irrthum bewahren können.
/Wien./ /Jos. Mar. Wagner./
FUSSNOTE:
[55: Eine dritte Hs.: „Anthonii Barzray... Comedia“, findet sich bei
Scherer, St. Gallische Handschriften, S. 36 verzeichnet.]
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K.
/Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. /Sebald/ in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.