Noch wird es nöthig sein, eine große Anzahl von Zweigen der Kultur in
ihrem Entwickelungsgange zu verfolgen, ehe das Gesammtbild, welches
uns die Kulturgeschichte bieten kann, auch in allen einzelnen Zügen
richtig ist. Wir kommen mitunter auf Gebiete, die uns zu unscheinbar
sind, als daß man glauben sollte, daß auch da ein Entwicklungsgang
stattgefunden habe, daß dessen Erforschung interessant sei, und daß
Resultate für die gesammte Kulturgeschichte sich ergeben. Ein solches
kleines Gebiet hat der Verfasser durch diese Beiträge zu erhellen
gesucht. Es ist ihm sicher auch gelungen, beim Leser das Interesse für
diese kleinen unscheinbaren Denkmäler des Waffenwesens zu erwecken, die
trotz ihrer Unscheinbarkeit so oft den Erfolg der Schlachten bewirkt
haben mögen. Es geht daraus hervor, daß auch hier ein Entwicklungsgang
stattgefunden, der mit der Gesammtgeschichte des Waffenwesens im
Zusammenhange steht; daß auch dieses kleine Gebiet der Erforschung
werth ist, daß es aber nicht angeht, heute schon ein abschließendes
Resultat zu erwarten, dies vielmehr erst nach einer Reihe von Arbeiten
möglich ist, zu denen der Verfasser um so mehr anregen wollte, als
diese kleinen Denkmäler bisher sehr stiefmütterlich behandelt wurden.
Insbesondere weist der Verfasser auf die Nothwendigkeit hin, bei jedem
Stücke festzustellen, auf welchem Schlachtfelde es gefunden, und ob nur
eine oder mehrere Schlachten in verschiedener Zeit dort stattgefunden,
welche Gegner sich dort getroffen haben, um daraus feste Schlüsse
ziehen zu können.
10) /Leben und Kunstleistungen des Malers und Kupferstechers Georg
Philipp Rugendas und seiner Nachkommen./ Von /Heinrich Graf
Stillfried/. Berlin, Carl Heynemann’s Verlag. 1879. 8. 184 Stn.
Unter den Kupferstechern des 17. und 18. Jahrh. nimmt der Augsburger
Meister, dessen Leben und Werke den Inhalt des vorliegenden Buches
bilden, eine hervorragende Stelle umsomehr ein, als er Lehrer
des geschätzten Elias Ridinger und auf dessen Entwickelung von
hervorragendem Einflusse war. Er war Schlachtenmaler. Seine Gemälde
scheinen jedoch zu seiner Zeit wenig Anerkennung gefunden zu haben,
so daß er um so thätiger auf dem Gebiete des Kupferstichs war,
insbesondere das Gebiet der Schwarzkunst pflegte, welches damals
in Augsburg eine Reihe von Vertretern hatte. Seine Söhne und Enkel
folgten ihm auf dem Gebiete der Kunst, und erst vor wenigen Jahren ist
der letzte Vertreter dieser Künstlerfamilie gestorben. Wie Ridinger
den Jägern und Jagdfreunden, ist der alte Rugendas und seine Familie
den Freunden des Kriegshandwerkes lieb und werth als der treue
Schilderer des Kriegswesens, der uns ins Getümmel der Schlachten,
wie ins Lagerleben führt, und dessen lebendige Darstellungen die
malerische Schönheit auch der grassesten Scene uns zeigen. Die große
Zahl der Blätter des ersten Meisters und seiner Nachkommen ist hier
aufgezeichnet, und zwar zunächst 36 Kupferstiche und Radierungen des
Meisters, sodann 125 Blätter anderer Stecher nach seiner Komposition,
ferner gegen 100 Stiche der Nachkommen, 126 Schwarzkunstblätter
des Meisters, 204 Schwarzkunstblätter anderer Meister nach seiner
Composition; einige Schwarzkunstblätter der Nachkommen bilden den
Schluß. Daß das Verzeichniß nicht absolut vollständig, geht daraus
hervor, daß noch ein Nachtrag sich schon direkt dem Buche anschließen
konnte.
Die Anordnung ist derart getroffen, daß der Sammler seine Blätter
darnach ordnen kann. Dadurch ist das Buch sehr dankenswerth geworden.
Die Blätter sind genau beschrieben, nicht zu weitläufig und doch
erschöpfend, so daß bei der Katalogisierung einer Sammlung statt
weitläufiger Beschreibung stets die Nummernangabe des Stillfried’schen
Buches genügt. Welch große Erleichterung dies ist, weiß jeder Verwalter
einer Sammlung und wird deshalb dem Verfasser Dank wissen. So kann das
Buch in keiner Handbibliothek einer Kupferstichsammlung fehlen.
11) /Der Formenschatz/, eine Quelle der Belehrung und Anregung
...... herausgegeben von /Georg Hirth/. 1879. Heft I-XI. Verlag
von G. Hirth in Leipzig.
Unter dem Titel der Formenschatz der Renaissance hatte der Herausgeber
20 Hefte mit 282 Blättern Abbildungen veröffentlicht, welche
vornehmlich die Ornamentstiche und Holzschnitte der Meister des 16.
Jahrh. wiedergeben. Derselbe hatte dabei vorzugsweise die Absicht, dem
heutigen Kunstgewerbe die große Fülle jener Motive vor Augen zu führen,
welche einst die Künstler des 16. Jahrh. für die Gewerbtreibenden ihrer
Zeit geschaffen und die so wesentlich zur Blüthe des Kunstgewerbes im