S. 178: „Es hat auch ein Radt der Altenstadt für dreyen wochen
ungefehrlich einen Meister allhie zue Magdeburgk gehabt, der wisse
Mölen zu machen, die ein Mensch sall umbziehen mit seinen Henden und
damit so viel meell teglich machen, das davon hundert Personen Jahr
un tagk enthalten sollen werden und solliche Mölen die burger sechse,
achte VVI (?) weniger oder mehr, dornach sie reiche sein, unter sich
machen und erbawen laßen. Ich bin auch bericht, das ein Radt mit
demselbigen vorbemelten Meister in Verhandlunge sein gewest, er habe
auch zu thun vorheischen, das er die Elbe vor dem Bruckthore wolle
einfassen und uff den Altenstedter marckt in einem Röhrkasten lassen
außlaufen und alda wieder einfallen, under sich lauffen laßen und in
allen gassen der Stadt laßen außspringen in Röhrkasten so stark, das
alle burger darauß backen und brawen sollen und zu alle ihrer notturfft
gebrauchen.
Dergleichen hat ein Radt der Altenstadt mit ihren Stadtgeschworen im
Radtschlage gehabt, das sie ihre Stadtgraben wollen unterscheiden
an sechß oder sieben stellen und in iglichem orthe sunderliche
fischereyen in der Stadt nutz machen, auch in denselbigen Stadtgraben
fünff oder sechß Kornmölen, eine Walckmöhle und eine Papyer-Mölen
durch denselbigen meister laßen setzen oder hencken und bawen mitt
dem Anhange, sie wollen die Wasser mit rädern über alle die Stadt
eingießen lassen, so sollen auch sustent in den Stadtgraben viele
gueter springk sein, die auch darzue helffen sollen. Der Meister ist
wieder heimgetzogen, man sagt er solle uff newen zukunfftigen Radts (?
-- Jahrs?) Zukunfft sich hieher kegen Magdeburgk heußlich besetzen und
in’s Radts Dienst und ganzer gemein begeben.“
/Magdeburg./ /Dr. G. Hertel./
FUSSNOTEN:
[205: Vorstadt von Magdeburg im Süden.]
[206: Stadt an der Saale, einige Meilen südlich von Magdeburg.]
Zur Verdeutschung des Aristoteles.
Der Schreiber der aus Füssen stammenden Maihinger Handschrift II. Lat.:
1 fol., num 27, welcher nach den Sermones des Jacobus de Voragine auf
Blatt 157 die Subscriptio gibt: „qui me scribebat Theodricus Huͦber
nomen habebat anno 1423“, hat auf Blatt 239, wie H. Baron v. Löffelholz
lange vor mir beobachtet hat, an die Sermones breves Saxonis in stark
compendierter Schrift eine Columne von 43 Büchertiteln angefügt. Die
meisten derselben beziehen sich auf Bestandtheile der Bibel, die
übrigen auf Aristotelische Werke. Voran steht immer die lateinische,
beziehungsweise griechische oder hebräische Form des Titels, welcher
dann -- oft sonderbar genug -- eine deutsche Uebersetzung beigegeben
wird:
Genesis daz puch der geschepff
(folgen 25 biblische Titel)
Pery a ^{nias}[207] der wedawtung[208] der red
Priorum der vorgenten red
Posteriorum der nach red
Topicorum der letzten red
Elencorum der wewarten[209] red
Methaphysica der hochen natur
Methaurorum[210] dez geschitzd[211] der lüfft
Physicorum von der natur
Polliticorum von der stat sidt
Yconomicorum der haws geschäfft
Ethicorum der werltlichen siten
De generatione et corruptione von den element puchen
De sensu et sensato[212] von synnen & von siten.
(Folgen 4 biblische Titel.)
/Dinkelsbühl./ /Georg Schepß./
FUSSNOTEN:
[207: Lies περὶ ἑρμηνείας.
[208: Bedeutung.]
[209: (vor sophistischen Fallstriken) bewahrten.]
[210: Soll περὶ μετεώρων heißen.]
[211: περὶ αἰσθήσεως καὶ αἰσθητῶν.]
[212: Es ist wol /geschichte/ oder /geschicke/ (Begebniß. Ereigniß)
zu lesen. Vergl. Diefenbach, glossarium lat.-germ. mediae et infimae
aetatis p. 359^c: „liber meteororum das puch von der schikkung des
luffts.“ Dr. Fr.]
Zum Kanon Euangeliorum.
Bei Niederschreibung des Aufsatzes auf Sp. 84 ff. des Anzeigers hatte
ich übersehen, daß Hr. Professor K. Bartsch in Heidelberg das Gedicht
schon vor einem Jahre in der Zeitschrift für Roman. Philologie II, 216
flg. hat abdrucken lassen. Ihm selbst war hiebei die ältere Ausgabe in
Alcuins Werken entgangen. In v. 6 meines Abdruckes bitte ich leo für eo
zu setzen.
/Halle./ /E. Dümmler./
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K.
/Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. /Sebald/ in Nürnberg.
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